Ambulante Nachsorge für Straffällige

„Den besten Opferschutz gewähren wir dadurch, dass wir die Begehung neuer Straftaten verhindern. Deshalb ist die ambulante Behandlung straffälliger Personen mit dem Ziel der Rückfallverhinderung der beste Schutz, den wir potentiellen Opfern bieten können“, erklärte Justizminister Prof. Dr. Gerhard Robbers anlässlich der Vorstellung der neuen Forensischen Ambulanz in Koblenz. „Ich freue mich, dass wir mit der Behandlungsinitiative Opferschutz e.V. einen starken und kompetenten Kooperationspartner gefunden haben, mit dessen Unterstützung wir nun zusätzlich zu den beiden bereits vorhandenen justizeigenen Psychotherapeutischen Ambulanzen in Ludwigshafen und Trier eine ambulante Nachsorge gewährleisten können“, betonte Robbers.

Die Ergänzung der bereits bestehenden Angebote zur Behandlung gefährlicher Gewalt- und Sexualstraftäter vor allem im Regelvollzug und im Bereich der ambulanten Nachsorge ist Leitmotiv der im Jahre 2005 ins Leben gerufenen und in Baden-Württemberg ansässigen Behandlungsinitiative Opferschutz e.V. (BIOS-BW e.V.). „Ich halte es für erforderlich, dass jeder gefährliche Gewalt- und Sexualstraftäter bei entsprechendem Bedarf eine rückfallvermeidende Therapie erhält. Auch muss im Falle einer Inhaftierung die Behandlung über den Zeitpunkt einer Entlassung hinaus andauern und die ambulante Nachsorge mit umfassen“, betonte Klaus Michael Böhm, Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe, Gründer von BIOS e.V. und deren erster Vorsitzender.

In Fachkreisen besteht Einigkeit, dass ein therapeutisches Angebot unabdingbar ist, um insbesondere bei Haftentlassenen das während der Haft mit organisatorischem, personellem und finanziellem Aufwand Erreichte abzusichern und zu stabilisieren. Ein Verzicht auf Nachsorge würde in nicht wenigen Fällen bedeuten, die Behandlungsbemühungen des Strafvollzuges ins Leere laufen zu lassen. Hintergrund dieser Einschätzung ist die Tatsache, dass in den ersten zwölf Monaten nach der Haftentlassung die Rückfallgefährdung am höchsten ist. Hier setzt die ambulante Nachsorge punktgenau an: Je nach individuellem Bedarf kann die Betreuung in der Psychotherapeutischen Ambulanz Koblenz den Übergang von der Haft in die Freiheit vorbereiten und nach der Entlassung fortgesetzt werden.

Unterstützt wird die Koblenzer Nachsorgeambulanz durch die Bereitstellung von Know-How von Wolfram Schumacher-Wandersleb, Ärztlicher Direktor der Klinik Nette-Gut für Forensische Psychiatrie an der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach: „Die Rückkehr in die Gesellschaft verläuft gerade nach einem längeren Freiheitsentzug häufig nicht reibungslos. Hieraus resultierende Krisen können dann in einer Rückkehr zu alten Verhaltensmustern münden. Die Nachsorgeambulanzen tragen durch Ihre Behandlungs- und Beratungsarbeit wesentlich dazu bei, dies zu verhindern und damit die Eingliederung zu unterstützen.“

Ziel ist es durch die ambulante Nachsorge, Krisen gar nicht erst entstehen zu lassen. Kommt es trotzdem dazu, hat der Betroffene fachkundige Ansprechpartner, die ihn dabei unterstützen, ohne Straftaten in der Gesellschaft zurecht zu kommen.

Information

Die Behandlungsinitiative Opferschutz e.V. wurde 2005 in Baden-Württemberg ins Leben gerufen. Sie war zunächst ein interdisziplinärer Zusammenschluss von Richtern, Staatsanwälten, Vollzugsmitarbeitenden, Psychiatern, Psychotherapeuten, Sozialarbeitern, Bewährungshelfern, Rechtsanwälten, Wissenschaftlern und Journalisten, welche sich gemeinsam für einen effektiven Opferschutz einsetzen. Der Verein BIOS-BW e.V. wurde am 16.10.2008 in Karlsruhe gegründet. Er betreibt seit 2008 die Forensische Ambulanz Baden (FAB) mit mehreren Behandlungsstützpunkten in Baden-Württemberg, so in Karlsruhe, Offenburg, Mannheim, Heidelberg, Heilbronn und Freiburg.

Nähere Informationen finden Sie unter: http://www.bios-bw.de/

Das Land Rheinland-Pfalz betreibt bereits seit 2009 zwei Ambulanzen, die Psychotherapeutische Ambulanz der Justiz in Ludwigshafen (PAJu Ludwigshafen) und die Psychotherapeutische Ambulanz  der Justiz Trier (PAJu Trier)

Weitere Informationen zu den beiden Psychotherapeutischen Ambulanzen der Justiz finden Sie unter http://www.mjv.rlp.de/Justizvollzug/JVA-Ludwigshafen/Psychotherapeutische-Ambulanz-der-Justiz/Konzeption/

und http://www.mjv.rlp.de/Justizvollzug/Psychotherapeutische-Ambulanzen-der-Justiz/broker.jsp?uMen=f683079e-ec5e-7731-8770-e024077fe9e3