Justizvollzug erweitert wissenschaftliche Expertise – ehrenamtliche Fachberater aus Forschung und Lehre bestellt

Die Herausforderungen im Justizvollzug sind vielseitig. Deshalb wirken in den Justizvollzugseinrichtungen die unterschiedlichsten Professionen zusammen, um die Gefangenen beim Erreichen ihres Vollzugsziels möglichst effektiv zu unterstützen. Dabei verlangt die notwendige Gewährleistung der Sicherheit, dass hinter Mauern agiert werden muss. Die wissenschaftliche Begleitung der vollzuglichen Abläufe wird dadurch erschwert. Zur Intensivierung des Austauschs zwischen Forschung und Vollzug hat Justizminister Herbert Mertin heute fünf Wissenschaftler zu ehrenamtlichen Fachberatern bestellt.

Anlässlich ihrer Bestellung zeigte sich der Minister erfreut und erklärte: "Es ist keinesfalls selbstverständlich Menschen zu finden, die sich ehrenamtlich für den Justizvollzug engagieren. Für den Vollzug ist es eine Bereicherung, künftig auf die Expertise von gleich fünf herausragenden Wissenschaftlern aus verschiedenen Disziplinen zurückgreifen zu können. Das eröffnet die Möglichkeit, bereits vorhandenes Datenmaterial noch genauer untersuchen und neue Erkenntnisse gewinnen zu können, um für anstehende Herausforderungen im Justizvollzug noch besser vorbereitet zu sein. Umgekehrt profitieren die Wissenschaftler von einem besseren Zugang zu diesem interessanten Forschungsfeld. Die Etablierung des Fachberatermodells ist daher für beide Seiten ein Gewinn."

Information:

Zu Fachberatern wurden bestellt:

Professor Dr. Dr. Hauke Brettel schloss sowohl ein Studium der Medizin als auch der Rechtswissenschaften ab. In beiden Wissenschaften erwarb er den Doktorgrad. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften folgte eine Tätigkeit als Rechtsanwalt und Mitarbeiter am Lehrstuhl für Strafrecht und Kriminologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. 2010 erhielt er die Lehrbefähigung für die Fächer Strafrecht, Strafprozessrecht, Sozialrecht und Kriminologie. Herr Brettel war von März 2010 bis September 2012 als Richter im hessischen Justizdienst tätig. Von Oktober 2012 bis September 2015 war er Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht, Kriminologie und Medizinrecht an der Philipps-Universität Marburg. Seit Oktober 2015 hat er den Lehrstuhl für Strafrecht, Kriminologie und Medizinrecht an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz inne und ist Sprecher des Zentrums für Interdisziplinäre Forensik (ZIF). Außerdem ist er Mitglied der Sachverständigenkommission für Kriminalprävention der Hessischen Landesregierung, des Wissenschaftlichen Beirats der Kriminologischen Zentralstelle e.V. (KrimZ) sowie der Ethikkommission der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz.

Professor Dr. Hans-Christoph Reiss wurde am 27. Februar 1960 in Walsrode geboren. Er ist Diplom-Kaufmann und Professor an der Fachhochschule Mainz sowie wissenschaftlicher Leiter des Instituts für angewandtes Management in der Sozial- und Gesundheitswissenschaft (ifams.de) der Hochschule Mainz. Herr Reiss ist bereits seit 2004 Mitglied des Landesbeirats für Weiterbildung und seit 2010 Geschäftsführer der Dualen Hochschule Rheinland-Pfalz. Bis letztes Jahr war er stellvertretender Vorsitzender des Landesbeirats für Kriminologie und Strafvollzug des Landes Rheinland-Pfalz und von 2004 bis 2008 Vizepräsident der Hochschule Mainz.

Privatdozent Dipl.-Psych. Dr. Martin Rettenberger studierte Psychologie und Kriminologie. Nach Abschluss seines Studiums war er zwischen 2006 und 2010 an der Begutachtungs- und Evaluationsstelle für Gewalt- und Sexualstraftäter in Wien tätig. Während dieser Zeit promovierte er an der Abteilung für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Ulm zum Thema Kriminalprognose bei Sexualstraftätern. Es folgte eine Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Gutachter in Hamburg. 2013 wurde ihm eine Juniorprofessor für Forensische Psychologie am Psychologischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz übertragen. Seit März 2015 ist er Direktor der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden. Herr Rettenberger fungiert aktuell als stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises der Sozialtherapeutischen Anstalten im Justizvollzug und ist seit September 2016 Generalsekretär der International Association for the Treatment of Sexual Offender (IATSO).

Professor Dr. Wolfgang Retz wurde am 1. Mai 1964 geboren. Nach seinem Studium der Humanmedizin in Würzburg erhielt er dort 1991 die Doktorwürde. 2008 legte er seine Habilitation im Fach Psychiatrie und Psychotherapie ab. Nach Stationen an den Universitäten in Würzburg und Homburg/Saar wechselte er 2013 an die Universitätsmedizin Mainz. Dort ist er seitdem Leiter der Forensischen Psychiatrie und Psychotherapie. 2017 erhielt er einen weiteren Ruf für eine Professur an der Universität des Saarlandes für Forensische Psychiatrie. Seit diesem Jahr ist er dort Direktor des Instituts für gerichtliche Psychologie und Psychiatrie. Herr Retz ist zudem Mitglied in mehreren wissenschaftlichen Gesellschaften.

Professor Dr. Mark Zöller promovierte bereits während seines Studiums der Rechtswissenschaften an der Universität Mannheim. Nach dem Referendariat habilitierte er sich dort im Terrorismusstrafrecht und bekam die venia legendi für Deutsches, Europäisches und Internationales Strafrecht und Strafprozessrecht sowie Wirtschaftsstrafrecht verliehen. Im Jahr 2008 wurde er auf den Lehrstuhl für Deutsches, Europäisches und Internationales Strafrecht und Strafprozessrecht an der Universität Trier berufen und dort noch im gleichen Jahr zum Direktor des Instituts für Deutsches und Europäisches Strafprozessrecht und Polizeirecht ernannt. Herr Zöller ist regelmäßiger Referent, Berater und Gutachter diverser Stiftungen, Justiz- und Innenministerien, politischer Parteien sowie Rechtsakademien im In- und Ausland. Überdies wirkt er als Redaktionsmitglied, ständiger Mitarbeiter und Herausgeber an diversen wissenschaftlichen Publikationen mit. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit verfügt er auch über umfangreiche rechtspraktische Erfahrungen als Strafverteidiger und Prozessbevollmächtigter in verfassungsgerichtlichen Verfahren.